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Wie man sich stellt, so liegt man …

Eine umsichtige Stellplatzwahl macht das Reisen im Campingbus erst zum Genuss

Spätestens, wenn die Blumen vorlaut ihre Stiele aus der Erde recken, dann ist es an der Zeit,  den Campingbussen und Reisemobilen das Lied vom Fernweh zu erzählen und sich langsam auf die erste Ausfahrt vorzubereiten. Bei ihren Nutzern gilt es zwischen zwei Spezies zu unterscheiden, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die einen sagen: „Wo ich diesmal hinfahre, entscheide ich an der ersten Ampel“, und folgen damit genau dem ursprünglichen Gedanken der Reisemobil-Idee. Losfahren und einfach dort stehen bleiben, wo es einem gefällt. Doch mag das vielleicht in den Anfängen dieser Urlaubsart noch mehr oder weniger reibungslos funktioniert haben – heute sorgen gerade im angrenzenden Ausland hässliche Begriffe wie „Meldepflicht“ oder „Campingverbot“ für verdrießliche Gedanken. In Deutschland gibt es im Grunde auf jedem Parkplatz die Möglichkeit, die Nacht im Reisemobil zu verbringen, solange dies nicht durch Beschilderung eingeschränkt oder verboten ist. Eine Rast zur „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ heißt das im Amtsdeutsch und bedeutet, dass ein Fahrzeug eben zu jenem Zweck auf öffentlichen Parkplätzen geparkt werden darf.

Aber auch hier sind viele der Möglichkeiten eher ungeeignet und erfüllen in keiner Form die Erwartungen an eine erholsame Übernachtung während der Ferienfahrt in ruhiger und am Ende sogar attraktiver Umgebung. Ob sie nun über ein verlängertes Wochenende führt oder gleich einen ganzen Monat dauern soll, spielt dabei kaum eine Rolle. Das hat in den 1980er Jahren einige Tourismus-Experten und Reisemobil-Freunde zusammengebracht, die in der Gemeinde Viechtach am Rande des Bayrischen Waldes gelegen, ein gleichnamiges Modell entwickelt haben. Orte, vorzugsweise an touristisch attraktiven Zielen, sollten sich als „reisemobilfreundlich“ zu erkennen geben und geeignete Parkplätze und Stellflächen explizit für Campingbusse ausweisen. Die Stadt am Fluss Schwarzer Regen übernahm eine Vorreiterrolle, das Viechtacher Modell machte schnell Schule. Auf den entsprechenden Hinweisschildern war ein Campingbus zu sehen, ein VW T3 mit aufgeklapptem Hubdach.

Heute gibt es mehr als 6.000 offiziell ausgewiesene Reisemobil-Übernachtungsplätze in Deutschland. Und auch andere Länder, die zu den beliebtesten Ferienzielen der Deutschen zählen, haben mitgezogen. Zu finden sind sie mittlerweile in nahezu jeder Stadt, bevorzugt auch an Flüssen und Seen, bei Erlebnisparks und entlang der Küsten. Sogar die Campingplatzbesitzer, die sich zu Anfang aus Sorge um entgangene Geschäfte gegen die Stellplatzidee wehrten, haben mitgezogen und ihre Areale entsprechend den Bedürfnissen der mobilen Besucher umgestaltet. Reisemobile stehen nun meist vor den Schranken zum eigentlichen Camp, ihre Bewohner können trotzdem die Infrastruktur des Platzes, also Ver- und Entsorgungseinrichtungen sowie sanitäre Anlagen nutzen. Reisemobile und Campingbusse sind jedoch auch in vielen Yachthäfen willkommen. Die halten für ihre Segler- und Motorbootfahrer ohnehin oft großzügige Sanitäreinrichtungen vor, davon können die Landyachten allemal profitieren.

Die Reiseziele lassen sich ganz auf den persönlichen Anspruch abstimmen und bieten eine immense Bandbreite. Ob Berlin oder Hamburg, München oder Stuttgart, überall finden sich angenehme Stellplätze für Städtereisen. Und Weinregionen – von ihnen gibt es allein in Deutschland 13 – locken ebenfalls mit attraktiven Übernachtungsplätzen, wohl wissend, dass der Umsatz davon durchaus gesteigert werden kann. Entlang des Rheins finden sich zahlreiche Campingbus-Camps, nicht alle sind ruhig gelegen, am deutschen Strom drängen sich gemeinsam mit Millionen Kubikmeter Wasser Güter- und Nahverkehrszüge sowie jede Menge Autos über Bundesstraßen durchs enge Mittelrheintal, wo es am Rhein doch besonders schön sein soll. Die Mosel zieht mehr mobile Gäste an, manche der dort gelegenen Plätze sind allerdings mit Vorsicht zu befahren. Starke Regenfälle erfreuen im Frühjahr zwar den Winzer, weichen aber die Wiesen auf und erfordern manche Bergungsaktion eines Campingmobils, das sich in tiefem Geläuf festgefahren hat. Oder gar durch Hochwasser des Flusses in Bedrängnis geraten ist.

In der Hauptreisezeit und auch an schönwetterbestimmten Sommerwochenenden herrscht auf nahezu allen Plätzen erhebliches Gedränge. Jeder Reisemobilfahrer will sich die Toplagen der Camps sichern, nicht selten steht schon am frühen Freitag das Schild in der Einfahrt: Platz belegt. Wer einer exakten Reiseroute folgen oder bestimmte Ziele anfahren will, der sollte reservieren. Die Adressen und Telefonnummern der Stellplätze haben die einschlägigen Camping-Fachverlage und die Automobilclubs zusammengetragen. In verschiedenster Form aufgelegt finden sich hier als Hardcover-Buch oder großformatiger Straßenatlas alle bekannten Stellplätze, fast immer mit Foto und genauer Beschreibung. Ist das Gelände befestigt? Welche Infrastruktur wird geboten? Wie weit ist es bis zu nächsten Einkaufsgelegenheit oder Gaststätte? Und last but not least: Was kostet die Übernachtung? Fünf bis zehn Euro kostet der 24-Stunden-Aufenthalt, manche Stellplätze sind sogar gratis. Bei Gebührenpflicht ist oft ein Platzwart für die Betreuung zuständig, der auch eine telefonische Reservierung entgegen nimmt. Bei anderen steht nur ein stiller Wächter in Form eines Parkscheinautomaten auf dem Gelände. Hier muss die Standzeit eingegeben und ein Parkticket gelöst werden. Die Verweildauer ist bisweilen begrenzt. reicht in aller Regel von 24 Stunden bis über drei Tage.

Neben den Kartenwerken helfen heute auch Apps beim Finden eines Stellplatzes, die automatisch per Umkreissuche die einzelnen Camps auflisten. Hier finden sich immer zusätzliche Bewertungen und Anmerkungen der Nutzer. Ob Straßenlärm stört, der Betreiber unfreundlich ist oder die Übernachtungsgebühr im schlechten Verhältnis zum gebotenen Komfort steht – all das ist bei der Wahl eines guten Übernachtungsplatzes mehr als hilfreich. Und wenn dann am Ziel, vielleicht in Bad Kreuznach an der Nahe, das Wasser leise übers Wehr rauscht oder, vielleicht in Vogtsburg am Kaiserstuhl, die Luft direkt neben dem Weinberg würzig nach Trauben duftet oder, vielleicht in Viechtach, der Wind mild über die Wipfel des Böhmerwaldes streicht, dann zeigt sich, dass Ferien im Reisemobil eine eben ganz andere, naturnahe Art der Urlaubsgestaltung sind. Reisemobilpress

Fotos: der-Reisetestester.de/Reisemobilpress

 

 

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